Kräuter sammeln klingt zunächst ganz einfach: Korb nehmen, raus in die Natur gehen und pflücken, was gerade wächst. Wer sich etwas genauer mit Wildkräutern, Gartenkräutern und traditionellen Kräuteranwendungen beschäftigt, merkt schnell, dass der Zeitpunkt eine große Rolle spielt.
Nicht jede Pflanze wird zur gleichen Zeit gesammelt. Bei manchen Kräutern sind die jungen Blätter besonders interessant, bei anderen wartet man auf die Blüte. Samen sollten möglichst vollständig ausgereift sein, während Wurzeln häufig im Herbst oder zeitigen Frühjahr gesammelt werden.
Auch das Wetter, die Tageszeit und der Zustand der Pflanze sind wichtig. Wer Kräuter selbst trocknen, für Tee verwenden oder zu Kräuteröl und anderen traditionellen Zubereitungen verarbeiten möchte, sollte deshalb nicht einfach irgendeinen Zeitpunkt wählen.
Was du in diesem Artikel erfährst
- wann Blätter am besten gesammelt werden
- wann der richtige Zeitpunkt für Blüten ist
- woran du reife Samen erkennst
- wann Kräuterwurzeln geerntet werden
- welche Tageszeit sich zum Sammeln eignet
- warum trockenes Wetter wichtig ist
- wie du Kräuter richtig schneidest
- wie du das Sammelgut vorbereitest und trocknest
- wie getrocknete Kräuter richtig aufbewahrt werden
- welche Fehler beim Kräutersammeln häufig passieren
- worauf du beim Sammeln in der freien Natur achten solltest
Warum der richtige Erntezeitpunkt wichtig ist
Eine Pflanze verändert sich während ihres gesamten Wachstums. Im Frühjahr entstehen junge Blätter, später bilden sich Knospen und Blüten. Danach entwickelt die Pflanze Samen und zieht sich bei vielen mehrjährigen Pflanzen langsam wieder in den Boden zurück.
Je nach Pflanzenteil wird deshalb zu einem anderen Zeitpunkt gesammelt.
Einfach gesagt:
| Pflanzenteil | Häufig geeigneter Erntezeitpunkt |
|---|---|
| Blätter | vor oder zu Beginn der Blüte |
| Blüten | bei voller, frischer Blüte |
| Samen | bei voller Reife und trockenem Zustand |
| Früchte | bei ausreichender Reife |
| Wurzeln | Herbst oder zeitiges Frühjahr |
| Rinde | je nach Pflanzenart häufig im Frühjahr |
Diese Angaben sind allgemeine traditionelle Sammelregeln. Der optimale Zeitpunkt hängt immer von der jeweiligen Pflanzenart ab.
Bei Kräutern zur Verwendung als Lebensmittel kommt außerdem die Frage hinzu, ob die Pflanze überhaupt sicher bestimmt wurde. Gerade bei Wildpflanzen können ähnlich aussehende Arten verwechselt werden.

1. Blätter sammeln: am besten vor der Blüte
Viele Kräuter werden wegen ihrer Blätter gesammelt. Dazu gehören beispielsweise Minze, Melisse, Salbei oder verschiedene essbare Wildkräuter.
Bei vielen Blattkräutern gilt als Faustregel: Die Blätter werden häufig vor der Blüte oder zu Beginn der Blüte gesammelt.
In dieser Phase sind die Blätter meist kräftig, frisch und gut entwickelt.
Junge Blätter sind allerdings nicht automatisch immer die beste Wahl. Sehr kleine Blätter können noch wenig Pflanzenmasse besitzen und lassen sich schlecht verarbeiten. Ideal sind gesunde, gut entwickelte Blätter ohne Fraßstellen, Schimmel oder andere Schäden.
Beispiele für typische Blattkräuter
- Minze
- Zitronenmelisse
- Salbei
- Brennnessel
- Giersch
- Spitzwegerich
- Löwenzahnblätter
Bei Küchenkräutern kann der optimale Zeitpunkt etwas anders liegen, je nachdem, ob du möglichst zarte Blätter, ein kräftiges Aroma oder Blüten verwenden möchtest.
So sammelst du Blätter richtig
Schneide die Triebe mit einer sauberen Schere oder einem scharfen Messer ab. Ziehe möglichst nicht einfach ganze Pflanzen aus dem Boden.
Bei mehrjährigen Pflanzen solltest du ausreichend Pflanzenmaterial stehen lassen, damit sie weiter wachsen können.
Beschädigte, gelbe oder kranke Blätter gehören nicht in den Sammelkorb.

2. Blüten sammeln: frisch geöffnet und trocken
Blüten werden häufig gesammelt, wenn sie frisch geöffnet sind und ihre typische Form deutlich zeigen.
Typische Beispiele sind:
- Kamille
- Ringelblume
- Holunderblüten
- Lavendel
- Lindenblüten
Der genaue Erntezeitpunkt unterscheidet sich von Pflanze zu Pflanze.
Bei vielen Blüten gilt: Nicht zu früh sammeln, wenn die Knospen noch geschlossen sind, und nicht erst warten, bis die Blüte bereits verwelkt.
Besonders wichtig ist trockenes Wetter.
Feuchte Blüten lassen sich deutlich schwieriger trocknen. Zwischen den Blüten kann sich Feuchtigkeit halten, wodurch das Sammelgut schneller verderben kann.
Beispiel Kamille
Kamille wird traditionell gesammelt, wenn die Blütenköpfchen geöffnet sind. Die weißen Zungenblüten stehen dabei deutlich sichtbar vom gelben Blütenboden ab.
Beispiel Ringelblume
Ringelblumen können über einen längeren Zeitraum immer wieder geerntet werden. Häufig werden vollständig geöffnete, trockene Blütenköpfe gesammelt.
Beispiel Lavendel
Lavendel wird traditionell häufig zur Blütezeit geschnitten. Je nach gewünschter Verwendung können dabei die Blütenstände kurz vor oder während der Blüte geerntet werden.

3. Samen sammeln: erst wenn sie wirklich reif sind
Samen brauchen einen anderen Erntezeitpunkt als Blätter und Blüten.
Hier lautet die einfache Regel: Warte, bis die Samen vollständig ausgereift sind.
Viele Samenstände verändern dann ihre Farbe. Sie werden beispielsweise braun, beige oder grau und fühlen sich trocken an.
Einige Pflanzen lassen ihre Samen allerdings sehr schnell fallen. Bei ihnen ist ein gutes Timing wichtig.
Typische Beispiele sind:
- Dill
- Fenchel
- Koriander
- Kümmel
- Anis
Bei Doldenblütlern ist besondere Vorsicht notwendig. Mehrere Arten können ähnlich aussehen, darunter auch giftige Pflanzen.
Eine eindeutige Pflanzenbestimmung ist hier besonders wichtig.
So erkennst du reife Samen
Einige typische Anzeichen:
- Samenstand beginnt abzutrocknen
- Samen haben ihre typische Farbe erreicht
- Samen lassen sich leicht lösen
- Pflanzenteile fühlen sich trocken an
- die Pflanze beginnt sichtbar abzureifen
Am besten sammelst du Samen an einem trockenen Tag.
Ein kleines Stück Papier oder ein Tuch unter den Samenstand zu halten, kann beim Sammeln helfen. So gehen herunterfallende Samen nicht verloren.

4. Wurzeln sammeln: Herbst oder zeitiges Frühjahr
Wurzeln werden anders geerntet als oberirdische Pflanzenteile.
Bei vielen mehrjährigen Pflanzen liegt der traditionelle Sammelzeitpunkt im Herbst, wenn sich die oberirdischen Pflanzenteile zurückziehen.
Auch das zeitige Frühjahr kann geeignet sein, bevor die Pflanze wieder kräftig austreibt.
Typische Beispiele sind:
- Löwenzahnwurzel
- Baldrianwurzel
- Beinwellwurzel
Der konkrete Zeitpunkt hängt von der Pflanzenart ab.
Wurzeln werden meist mit einem Spaten oder einer Grabegabel vorsichtig aus dem Boden gelöst. Anschließend werden sie gründlich von Erde befreit.
Wichtig bei Wurzeln
Das Sammeln von Wurzeln bedeutet immer, dass du in den Boden eingreifst und häufig die gesamte Pflanze entnimmst.
Bei Wildpflanzen solltest du daher besonders darauf achten, nur dort zu sammeln, wo dies erlaubt ist und wo ausreichend Pflanzen vorhanden sind.
Geschützte Pflanzen dürfen nicht einfach ausgegraben werden.
Der beste Zeitpunkt zum Kräutersammeln: trocken und nach dem Tau
Nicht nur die Jahreszeit entscheidet über einen guten Erntezeitpunkt.
Auch der konkrete Tag spielt eine Rolle.
Für viele Kräuter ist ein trockener Tag nach dem Abtrocknen des Morgentaus gut geeignet.
Warum?
Weil zusätzliches Wasser das spätere Trocknen erschwert.
Besonders bei Blüten und zarten Blättern ist das relevant.
Ideal ist beispielsweise:
Morgens: Tau abwarten
Vormittags: trockene Pflanzenteile sammeln
Mittags: bei vielen aromatischen Pflanzen ebenfalls möglich
Nach Regen: besser warten, bis die Pflanze vollständig trocken ist
Bei sehr heißen Tagen solltest du frisch gesammelte Kräuter außerdem nicht stundenlang in einem heißen Auto oder in der direkten Sonne liegen lassen.
Warum man Kräuter nicht nass sammeln sollte
Feuchtigkeit ist einer der häufigsten Fehler beim Sammeln.
Ein paar Tropfen Regen machen eine Pflanze natürlich nicht unbrauchbar. Für die Lagerung ist es trotzdem besser, möglichst trockenes Pflanzenmaterial zu verwenden.
Besonders problematisch wird es, wenn feuchte Blätter oder Blüten dicht übereinander im Korb liegen.
Dann entsteht schnell ein warmes, feuchtes Mikroklima.
Das kann die Qualität beeinträchtigen und die Bildung von Schimmel begünstigen.
Deshalb gilt:
Trocken sammeln, locker transportieren und möglichst zeitnah verarbeiten.
Der richtige Sammelkorb
Ein luftiger Korb eignet sich hervorragend zum Kräutersammeln.
Auch eine Papiertüte kann für kurze Wege funktionieren.
Plastiktüten sind weniger geeignet, weil sich darin Wärme und Feuchtigkeit stauen können.
Ideal ist:
- luftiger Korb
- Stoffbeutel für bestimmte trockene Pflanzenteile
- kleine Schere
- Messer
- eventuell Handschuhe
- Pflanzenbestimmungsbuch oder zuverlässige Bestimmungs-App
- Papieretiketten für die Beschriftung
Besonders bei mehreren verschiedenen Kräutern solltest du die einzelnen Pflanzenarten getrennt halten.
Kräuter richtig schneiden
Beim Sammeln solltest du möglichst sauber arbeiten.
Für Blätter und oberirdische Triebe eignet sich eine scharfe Schere.
Schneide nur so viel ab, wie du tatsächlich verarbeiten kannst.
Bei mehrjährigen Pflanzen lässt du ausreichend Material stehen.
Das ist nicht nur für die Pflanze wichtig. Es sorgt auch dafür, dass dein Kräuterbestand langfristig erhalten bleibt.
Eine einfache Sammelregel
Nimm nur einen Teil und lass den Rest weiterwachsen.
Das gilt besonders bei Wildpflanzen.
Bei größeren Beständen kannst du an verschiedenen Stellen kleine Mengen sammeln, statt eine einzelne Pflanze stark zurückzuschneiden.
Kräuter nach dem Sammeln nicht einfach liegen lassen
Frisch gesammelte Kräuter sollten möglichst schnell verarbeitet werden.
Zuerst solltest du das Sammelgut kontrollieren.
Entferne:
- welke Pflanzenteile
- beschädigte Blätter
- kranke Stellen
- Insekten
- Erde
- fremde Pflanzen
- feuchte oder verdorbene Pflanzenteile
Ob du Kräuter wäschst, hängt von der weiteren Verwendung und der Verschmutzung ab.
Für Kräuter, die getrocknet werden sollen, ist möglichst sauberes Sammeln an einem geeigneten Standort hilfreich, weil zusätzliches Wasser den Trocknungsprozess verlängert.
Bei Kräutern, die als Lebensmittel frisch verwendet werden, steht hygienisches Arbeiten im Vordergrund.

Kräuter trocknen: so geht es einfach
Viele Kräuter lassen sich zu Hause trocknen.
Dabei ist weniger Hitze oft mehr.
Ein gut belüfteter, trockener und dunkler Ort eignet sich besser als ein sonniges Fensterbrett.
Methode 1: Kräuter bündeln
Geeignet für kräftige Stängel.
- Kleine Bündel aus den Kräutern machen.
- Nicht zu große Mengen zusammenbinden.
- Mit der Schnittseite nach oben oder unten aufhängen.
- An einem trockenen, luftigen Ort aufhängen.
- Vollständig trocknen lassen.
Zu große Bündel können innen feucht bleiben.
Methode 2: Kräuter auf einem Tuch
Zarte Blätter und einzelne Blüten können locker auf einem sauberen Tuch oder Gitter ausgebreitet werden.
Wichtig ist, dass Luft an die Pflanzenteile kommt.
Die Kräuter sollten nicht übereinanderliegen.
Methode 3: Dörrautomat
Ein Dörrautomat kann ebenfalls verwendet werden.
Die Temperatur sollte möglichst schonend gewählt werden und sich nach der jeweiligen Pflanze richten. Hohe Temperaturen können empfindliche Pflanzenbestandteile beeinträchtigen.
Woran erkennt man vollständig getrocknete Kräuter?
Das Pflanzenmaterial sollte trocken und leicht brüchig sein.
Blätter lassen sich meist zwischen den Fingern zerreiben.
Stängel brechen, statt sich weich zu biegen.
Blüten fühlen sich trocken an und enthalten keine feuchten Stellen.
Wenn du unsicher bist, lass die Kräuter lieber länger trocknen.
Ein häufiger Fehler ist das zu frühe Abfüllen in Gläser.
Schon eine kleine Restfeuchtigkeit kann bei längerer Lagerung problematisch werden.
Getrocknete Kräuter richtig aufbewahren
Nach dem vollständigen Trocknen kommen die Kräuter in saubere, trockene und gut verschließbare Gefäße.
Geeignet sind beispielsweise:
- Schraubgläser
- dunkle Vorratsgläser
- luftdichte Behälter
Beschrifte jedes Gefäß mit:
Name der Pflanze + Sammelmonat + Jahr
Das klingt zunächst übertrieben. Nach einigen Monaten weißt du damit allerdings sofort, was sich im Glas befindet und wann du es gesammelt hast.
Bewahre die Kräuter möglichst trocken, dunkel und nicht direkt über dem Herd auf.
Auch direkte Sonneneinstrahlung ist für die Lagerung ungünstig.
Wie lange halten getrocknete Kräuter?
Die Haltbarkeit hängt stark von Pflanze, Trocknungsgrad und Lagerung ab.
Gut getrocknete Kräuter können mehrere Monate aufbewahrt werden. Mit zunehmender Lagerdauer können Aroma, Farbe und bestimmte Pflanzenbestandteile allerdings nachlassen.
Eine einfache Qualitätskontrolle hilft:
Riecht das Kraut noch typisch?
Ist die Farbe noch plausibel?
Gibt es Feuchtigkeit?
Hat sich Schimmel gebildet?
Wirkt das Kraut ungewöhnlich?
Bei Schimmel oder einem auffälligen Geruch sollte das gesamte betroffene Gefäß entsorgt werden.
Häufige Fehler beim Kräutersammeln
Beim ersten Sammeln passieren schnell ein paar typische Fehler.
Fehler 1: Alles wird gleichzeitig gesammelt
Blätter, Blüten, Samen und Wurzeln haben unterschiedliche optimale Zeitpunkte.
Deshalb lohnt sich ein kleiner Kräuterkalender.
Fehler 2: Nach Regen sammeln
Nasses Pflanzenmaterial trocknet langsamer und kann leichter verderben.
Fehler 3: Zu große Mengen
Sammle nur so viel, wie du zeitnah verarbeiten kannst.
Fehler 4: Pflanzen nicht eindeutig bestimmen
Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Eine Pflanze sollte vor der Ernte sicher bestimmt sein.
Bei Unsicherheit bleibt sie stehen.
Fehler 5: Kräuter in Plastiktüten transportieren
Wärme und Feuchtigkeit können sich darin stauen.
Fehler 6: Zu dicke Bündel aufhängen
Außen trocknet das Material, während es innen noch feucht bleibt.
Fehler 7: Zu früh in Gläser füllen
Auch wenn sich die Kräuter außen trocken anfühlen, können sie innen noch Restfeuchtigkeit enthalten.
Fehler 8: Geschützte Pflanzen sammeln
Beim Sammeln in der Natur müssen Schutzgebiete, geschützte Pflanzenarten und lokale Regeln beachtet werden.

Ein einfacher Kräuter-Erntekalender
Wer regelmäßig Kräuter sammelt, kann sich an diesem groben Jahresrhythmus orientieren.
Frühling
Der Frühling ist eine spannende Zeit für junge Blätter und frische Triebe.
Typische Beispiele:
- Brennnessel
- Giersch
- Löwenzahnblätter
- junge Kräuter aus dem Garten
Auch manche Wurzeln können im zeitigen Frühjahr gesammelt werden, bevor die Pflanze kräftig austreibt.
Frühsommer
Jetzt beginnt die Blütezeit vieler Kräuter.
Geeignet können je nach Pflanzenart sein:
- Holunderblüten
- Kamille
- verschiedene Gartenkräuter
- viele Wildblumen
Hochsommer
Der Sommer bringt eine große Auswahl an Blüten und aromatischen Kräutern.
Lavendel, Minze, Melisse und viele andere Kräuter können jetzt geerntet werden.
Bei manchen Pflanzen beginnt außerdem bereits die Samenreife.
Spätsommer
Jetzt werden Samen und Früchte zunehmend interessant.
Der genaue Zeitpunkt hängt stark von der jeweiligen Pflanzenart ab.
Herbst
Der Herbst ist traditionell eine wichtige Zeit für Wurzeln.
Auch Samen können jetzt gesammelt werden, wenn sie vollständig ausgereift sind.
Praktische Übersicht: Was wird wann gesammelt?
| Pflanzenteil | Typischer Zeitpunkt | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Blätter | vor/zu Beginn der Blüte | gesund und trocken |
| Blüten | während der Blüte | frisch geöffnet, trocken |
| Samen | bei Vollreife | trocken und ausgereift |
| Früchte | je nach Art bei Reife | unbeschädigt |
| Wurzeln | Herbst oder zeitiges Frühjahr | Pflanze sicher bestimmen |
| Rinde | je nach Art häufig Frühjahr | Art und Sammelregeln beachten |
Diese Übersicht dient als Orientierung. Für jede einzelne Pflanze lohnt sich eine genaue Betrachtung der artspezifischen Erntezeit.
Kräuter für Tee sammeln
Viele Menschen sammeln Kräuter, um sie später als Teeaufguss zu verwenden.
Dafür werden traditionell beispielsweise Blätter oder Blüten getrocknet.
Bei einem einfachen Kräuteraufguss wird eine kleine Menge getrocknetes Pflanzenmaterial mit heißem Wasser übergossen und eine passende Zeit ziehen gelassen.
Die konkrete Menge und Ziehzeit hängt von der jeweiligen Pflanze ab.
Bei Pflanzen mit pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen solltest du dich an zuverlässige Fachinformationen halten und nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel“ vorgehen.
Bei Kindern, Schwangerschaft, Stillzeit, chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist besondere Vorsicht angebracht. Nicht jedes Kraut eignet sich für jeden Menschen.
Kräuter für Kräuteröl vorbereiten
Auch für selbst gemachtes Kräuteröl spielt der Zustand der Kräuter eine große Rolle.
Frisches Pflanzenmaterial enthält Wasser. Wasser und Öl sind keine gute Kombination für eine lange, sichere Lagerung.
Für selbst angesetzte Kräuteröle solltest du deshalb genau auf die jeweilige Zubereitungsart achten.
Eine Möglichkeit ist die Verwendung vollständig getrockneter Pflanzenteile.
Das gilt besonders, wenn das Öl länger aufbewahrt werden soll.
Auch hier ist Sauberkeit entscheidend.
Kräuteröl sollte nicht automatisch als medizinisches Produkt betrachtet werden. Viele selbst gemachte Öle werden traditionell für Küche, Pflege oder Duft verwendet.
Wichtiger Hinweis zu Heilkräutern und Hausmitteln
Kräuter haben eine lange Tradition in der Küche, Volkskunde und Pflanzenkunde.
Traditionelle Verwendung ist jedoch nicht automatisch ein medizinischer Wirksamkeitsnachweis.
Deshalb solltest du Aussagen wie „heilt“, „beseitigt“ oder „wirkt garantiert gegen“ vermeiden.
Besser sind Formulierungen wie:
- „wird traditionell verwendet“
- „ist als Kräutertee beliebt“
- „wird traditionell für … eingesetzt“
- „gehört zur klassischen Kräuterkunde“
Besonders wichtig ist die sichere Pflanzenbestimmung.
Einige Pflanzen enthalten hochwirksame oder giftige Inhaltsstoffe. Gerade bei ähnlich aussehenden Wildpflanzen kann eine Verwechslung gefährlich werden.
Wenn du eine Pflanze nicht eindeutig bestimmen kannst, solltest du sie nicht sammeln und nicht verzehren.
Nachhaltig Kräuter sammeln
Kräutersammeln kann eine wunderschöne Verbindung zur Natur sein. Damit das auch langfristig funktioniert, sollte das Sammeln möglichst schonend erfolgen.
Sammle nicht ganze Flächen leer.
Lass genügend Pflanzen stehen.
Betritt keine geschützten Bereiche.
Sammle keine seltenen oder geschützten Arten.
Nimm nur Mengen mit, die du tatsächlich verwenden kannst.
Bei größeren Beständen kannst du verschiedene Pflanzenbereiche nutzen und dadurch einzelne Pflanzen schonen.
Und noch etwas ist wichtig: Straßenränder, stark frequentierte Wege, intensiv bewirtschaftete Flächen oder Bereiche mit möglicher Schadstoffbelastung sind keine guten Sammelplätze.
Ein sauberer Standort ist ein wichtiger Teil der Kräuterqualität.
Mein Tipp: Führe einen kleinen Kräuterkalender
Wenn du regelmäßig Kräuter sammelst, brauchst du eigentlich gar keinen komplizierten Plan.
Ein kleines Notizbuch reicht.
Schreibe bei jeder Ernte auf:
Pflanze:
Minze
Sammelzeitpunkt:
Juni
Pflanzenteil:
Blätter
Wetter:
trocken
Standort:
eigener Garten
Verwendung:
Tee / Küche
Trocknung:
luftig im Schatten
Ergebnis:
Aroma sehr kräftig
Nach ein oder zwei Jahren hast du deinen ganz persönlichen Kräuterkalender.
Du wirst schnell merken, wann deine Pflanzen besonders kräftig wachsen, wann die Blüte beginnt und welche Ernte sich für deine jeweilige Verwendung am besten eignet.
Kleine Checkliste vor jeder Kräuterernte
Bevor die Schere zum Einsatz kommt, kannst du diese sieben Punkte durchgehen:
☐ Habe ich die Pflanze sicher bestimmt?
☐ Ist das Sammeln an diesem Standort erlaubt?
☐ Ist die Pflanze gesund?
☐ Ist das Pflanzenmaterial trocken?
☐ Ist jetzt der passende Entwicklungszeitpunkt?
☐ Habe ich eine saubere Schere dabei?
☐ Kann ich die gesammelte Menge zeitnah verarbeiten?
Wenn du diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, sind die wichtigsten Grundlagen bereits erfüllt.
Fazit
Der richtige Zeitpunkt macht beim Kräutersammeln viel aus
Kräuter zu sammeln ist keine komplizierte Wissenschaft. Ein wenig Wissen über die verschiedenen Entwicklungsphasen der Pflanzen hilft allerdings enorm.
Blätter werden häufig vor oder zu Beginn der Blüte gesammelt. Blüten sind meist dann interessant, wenn sie frisch geöffnet und trocken sind. Samen sollten vollständig ausgereift sein, während Wurzeln bei vielen Pflanzen im Herbst oder zeitigen Frühjahr gesammelt werden.
Besonders wichtig sind trockene Pflanzenteile, eine sichere Bestimmung und eine schonende Ernte.
Wer die Kräuter anschließend richtig trocknet und dunkel, trocken und luftdicht lagert, kann die eigene Ernte lange nutzen.
Und vielleicht ist genau das der schönste Teil am Kräutersammeln: Man lernt, die Jahreszeiten wieder genauer wahrzunehmen. Im Frühling erscheinen die ersten jungen Blätter. Im Sommer öffnen sich die Blüten. Später reifen die Samen, und im Herbst zieht sich die Kraft vieler Pflanzen langsam in den Boden zurück.
Wer aufmerksam beobachtet, braucht irgendwann kaum noch einen Kalender. Die Pflanzen selbst zeigen, wann ihre Zeit gekommen ist.








