Kräuter können auf ganz unterschiedliche Weise verarbeitet werden. Genau hier passieren im Alltag die häufigsten Fehler: Ein Tee wird zu lange stehen gelassen, ein Ölauszug zu früh abgefiltert oder eine Tinktur nach Gefühl angesetzt.
Dabei entscheidet die Zubereitungsart ganz wesentlich darüber, welche Pflanzenbestandteile aus dem Kraut gelöst werden. Blätter und Blüten benötigen meist eine andere Behandlung als harte Wurzeln, Rinden oder Samen.
Wer Kräuter selbst verarbeiten möchte, braucht deshalb vor allem eines: einen guten Überblick.
Die wichtigsten Zeiten auf einen Blick:
| Zubereitungsart | Typische Zieh-/Auszugszeit |
|---|---|
| Kräutertee / Aufguss | ca. 5–15 Minuten |
| Abkochung | ca. 10–20 Minuten |
| Kaltauszug | ca. 30 Minuten bis mehrere Stunden |
| Kräuteröl | ca. 2–6 Wochen |
| Tinktur | ca. 4–6 Wochen |
| Kräuteressig | ca. 1–3 Wochen |
| Kräutersirup | je nach Methode, meist wenige Stunden bis mehrere Tage |
Wichtig: Diese Zeiten sind allgemeine Richtwerte für traditionelle Hauszubereitungen. Für einzelne Heilpflanzen können andere Zubereitungsarten, Konzentrationen oder Mengen vorgesehen sein. Die jeweilige Pflanzenart und gegebenenfalls die Angaben des Herstellers haben Vorrang. Die Europäische Arzneimittel-Agentur weist ausdrücklich darauf hin, dass Zubereitungsart und Konzentration bei Kräutertees für die Sicherheit und Anwendung relevant sein können.
Was du in diesem Artikel erfährst
Du erfährst,
- wie lange verschiedene Kräuterzubereitungen ziehen sollten,
- wann ein Aufguss, eine Abkochung oder ein Kaltauszug sinnvoll ist,
- warum Blätter anders behandelt werden als Wurzeln,
- wie du einen Kräuterölauszug ansetzt,
- wie lange eine Tinktur reifen sollte,
- worauf du bei Kräuteressig und Kräutersirup achten kannst,
- wie du fertige Zubereitungen richtig abfüllst und lagerst,
- welche Fehler bei selbst gemachten Kräuterzubereitungen häufig vorkommen,
- und warum „natürlich“ nicht automatisch „harmlos“ bedeutet.
Warum die Ziehzeit bei Kräutern so wichtig ist
Die Pflanzenwelt besteht aus vielen unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Je nach Pflanzenteil und gewünschtem Ergebnis eignen sich Wasser, Öl, Alkohol oder andere Flüssigkeiten als Auszugsmittel.
Ein zartes Blütenblatt lässt sich beispielsweise viel leichter mit heißem Wasser extrahieren als eine harte Wurzel. Bei einer Wurzel kann eine längere Hitzeeinwirkung notwendig sein, um bestimmte Bestandteile aus dem Pflanzenmaterial zu lösen.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle.
Ein Kräutertee ist deshalb nicht einfach nur „Kraut plus Wasser“. Die Kombination aus Pflanzenmaterial, Flüssigkeit, Temperatur, Menge und Zeit bestimmt die fertige Zubereitung.
Die EMA beschreibt genau diesen Zusammenhang für pflanzliche Teezubereitungen: Je nach Pflanzenmaterial und den enthaltenen Bestandteilen können unterschiedliche Zubereitungsverfahren erforderlich sein.
Das bedeutet für die Küche und Hausapotheke: Nicht jede Pflanze sollte nach derselben Methode verarbeitet werden.

Kräutertee: 5 bis 15 Minuten
Der klassische Kräutertee ist die einfachste Form der Kräuterzubereitung.
Dabei werden meist Blätter, Blüten oder feinere Pflanzenteile mit heißem Wasser übergossen. Anschließend darf der Tee einige Minuten ziehen.
Als allgemeiner Richtwert gelten etwa 5 bis 15 Minuten.
Für die hygienische Zubereitung von Kräutertee empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung, Kräuter mit sprudelnd kochendem Wasser zu übergießen und mindestens fünf Minuten ziehen zu lassen. Das dient insbesondere dazu, möglicherweise vorhandene Keime abzutöten.
So bereitest du einen einfachen Kräuteraufguss zu
Du brauchst:
- 1–2 Teelöffel getrocknete Kräuter
- 250 ml kochendes Wasser
- Tasse oder Kanne
- Sieb
Zubereitung:
- Kräuter in eine Tasse oder Kanne geben.
- Mit kochendem Wasser übergießen.
- Gefäß abdecken.
- Etwa 5–15 Minuten ziehen lassen.
- Durch ein Sieb abseihen.
- Frisch trinken.
Das Abdecken ist besonders bei aromatischen Kräutern praktisch, weil dadurch flüchtige Bestandteile weniger leicht entweichen.
Welche Kräuter eignen sich typischerweise für einen Aufguss?
Besonders geeignet sind zarte Pflanzenteile wie:
- Blätter
- Blüten
- junge Triebe
- feine Kräuter
Beispiele aus der klassischen Kräuterküche sind Pfefferminze, Melisse, Kamille oder Zitronenverbene.
Dabei geht es hier um die traditionelle Verwendung als Getränk. Eine Aussage wie „dieser Tee heilt Krankheit X“ wäre medizinisch nicht angemessen.
Abkochung: etwa 10 bis 20 Minuten
Eine Abkochung, auch Dekokt genannt, funktioniert anders als ein normaler Aufguss.
Hier werden die Pflanzenteile zusammen mit dem Wasser erhitzt oder nach dem Aufkochen eine bestimmte Zeit weiter erhitzt.
Diese Methode wird traditionell eher bei härteren Pflanzenteilen verwendet.
Dazu gehören beispielsweise:
- Wurzeln
- Rinden
- harte Samen
- bestimmte Früchte
- feste Pflanzenteile
Grundrezept für eine einfache Abkochung
Du brauchst:
- etwa 1–2 Teelöffel getrocknetes Pflanzenmaterial
- 250 ml Wasser
Zubereitung:
- Pflanzenteile mit Wasser in einen kleinen Topf geben.
- Langsam erhitzen.
- Kurz aufkochen lassen.
- Bei niedriger Hitze etwa 10–20 Minuten köcheln lassen.
- Vom Herd nehmen.
- Kurz abkühlen lassen.
- Abseihen.
Die konkrete Menge und Dauer sollte bei Heilpflanzen immer zur jeweiligen Pflanze passen. Die EMA führt bei einzelnen Pflanzen unterschiedliche Zubereitungen und Dosierungen auf. Eine allgemeine Küchenregel kann diese individuellen Angaben nicht ersetzen.
Kaltauszug: Wenn Hitze unerwünscht ist
Ein Kaltauszug wird mit kaltem oder zimmerwarmem Wasser angesetzt.
Das kann bei Pflanzen interessant sein, bei denen bestimmte Bestandteile möglichst nicht durch starke Hitze verändert werden sollen.
Die Ziehzeit ist deutlich variabler als bei einem klassischen Kräutertee.
Je nach Pflanze und traditioneller Rezeptur kann ein Kaltauszug beispielsweise 30 Minuten, mehrere Stunden oder über Nacht angesetzt werden.
Einfacher Kaltauszug
Du brauchst:
- 1–2 Teelöffel getrocknete Kräuter
- 250 ml kaltes Wasser
Zubereitung:
- Kräuter in ein sauberes Gefäß geben.
- Mit kaltem Wasser übergießen.
- Abdecken.
- Je nach verwendeter Pflanze mehrere Stunden ziehen lassen.
- Abseihen.
- Frisch verwenden.
Bei einem Kaltauszug ist Hygiene besonders wichtig. Das fertige Getränk sollte nicht unnötig lange bei Raumtemperatur stehen.

Kräuteröl: 2 bis 6 Wochen
Ein Kräuterölauszug ist etwas ganz anderes als Kräutertee.
Hier werden getrocknete oder je nach Rezeptur auch frische Pflanzenteile in einem Pflanzenöl angesetzt.
Traditionell wird ein Kräuteröl beispielsweise für selbst gemachte Pflegeprodukte, Massageöle oder kosmetische Anwendungen verwendet.
Typische Trägeröle sind:
- Olivenöl
- Sonnenblumenöl
- Jojobaöl
- Mandelöl
Die Wahl des Öls hängt davon ab, wofür das fertige Produkt verwendet werden soll.
Einfacher Kräuterölauszug
Zutaten:
- 20–30 g gut getrocknete Kräuter
- ca. 200 ml Pflanzenöl
- sauberes Schraubglas
Zubereitung:
- Glas gründlich reinigen und vollständig trocknen lassen.
- Getrocknete Kräuter locker einfüllen.
- Mit Öl vollständig bedecken.
- Darauf achten, dass kein Pflanzenmaterial aus dem Öl herausragt.
- Glas verschließen.
- An einem geeigneten, lichtgeschützten Ort lagern.
- Regelmäßig kontrollieren und vorsichtig schwenken.
- Nach etwa 2–6 Wochen abfiltern.
- In eine saubere, dunkle Flasche füllen.
- Beschriften.
Warum getrocknete Kräuter für Anfänger einfacher sind
Frische Pflanzen enthalten viel Wasser. Dieses Wasser kann die Haltbarkeit eines selbst gemachten Ölauszugs beeinflussen und das Risiko für Verderb erhöhen.
Für einfache DIY-Ölauszüge ist deshalb gut getrocknetes Pflanzenmaterial häufig die unkompliziertere Variante.
Das fertige Öl sollte klar unauffällig riechen. Bei ungewöhnlichem Geruch, sichtbarem Schimmel, Gärung oder anderen Veränderungen sollte es entsorgt werden.

Tinktur: etwa 4 bis 6 Wochen
Eine Tinktur ist ein alkoholischer Pflanzenauszug.
Alkohol kann bestimmte Pflanzenbestandteile lösen, die mit Wasser oder Öl weniger gut extrahiert werden.
Die Herstellung ist traditionell einfach, die richtige Wahl von Pflanze, Alkoholkonzentration und Mengenverhältnis ist allerdings deutlich komplexer.
Deshalb sollte man nicht davon ausgehen, dass jede Pflanze mit demselben Alkoholgehalt und demselben Verhältnis angesetzt werden kann.
Die EMA berücksichtigt bei pflanzlichen Arzneimitteln ausdrücklich unterschiedliche Extrakte, Lösungsmittel und Mengenverhältnisse.
Grundprinzip einer Tinktur
Getrocknete oder geeignete frische Pflanzenteile werden mit Alkohol übergossen und über mehrere Wochen ausgezogen.
Als allgemeiner traditioneller Richtwert werden häufig 4–6 Wochen genannt.
Während dieser Zeit wird das Gefäß regelmäßig kontrolliert und vorsichtig geschwenkt.
Nach Ablauf der Ziehzeit wird die Flüssigkeit durch ein feines Sieb oder Tuch filtriert und anschließend in eine dunkle Flasche gefüllt.
Wichtig: Eine selbst angesetzte Tinktur ist kein automatisch standardisiertes Arzneimittel. Bei Pflanzen mit pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen sollte die Herstellung nicht nach einem pauschalen Rezept erfolgen.
Kräuteressig: etwa 1 bis 3 Wochen
Kräuter lassen sich auch mit Essig kombinieren.
Das Ergebnis kann beispielsweise in der Küche verwendet werden und eignet sich hervorragend für Salate, Marinaden oder Dressings.
Für Kräuteressig kannst du milde Kräuter wie Estragon, Thymian, Rosmarin, Basilikum oder Schnittlauch verwenden.
Einfaches Rezept für Kräuteressig
Zutaten:
- 250 ml Weißweinessig oder Apfelessig
- 1–2 kleine Zweige gut getrocknete Kräuter
- saubere Glasflasche
Zubereitung:
- Kräuter in die saubere Flasche geben.
- Mit Essig auffüllen.
- Verschließen.
- Etwa 1–3 Wochen ziehen lassen.
- Zwischendurch vorsichtig schwenken.
- Kräuter herausfiltern.
- Essig erneut sauber abfüllen.
Je länger der Essig zieht, desto intensiver kann das Aroma werden.
Für einen Küchenessig kannst du nach Geschmack arbeiten. Bei empfindlichen Kräutern lohnt sich eine kürzere Ziehzeit.
Kräutersirup: Hier zählt die Rezeptur
Kräutersirup wird traditionell mit Zucker oder einer anderen süßenden Komponente hergestellt.
Dabei gibt es verschiedene Methoden.
Eine Variante besteht darin, einen starken Kräuteraufguss herzustellen und diesen anschließend mit Zucker einzukochen.
Eine andere Methode arbeitet mit Kräutern und Zucker in mehreren Schichten.
Einfacher Kräutersirup aus einem Aufguss
Du brauchst:
- 500 ml kräftigen Kräuteraufguss
- etwa 500 g Zucker
Zubereitung:
- Kräuteraufguss zubereiten.
- Flüssigkeit abseihen.
- Mit Zucker vermischen.
- Unter Rühren erhitzen.
- Zucker vollständig auflösen lassen.
- Nach Rezeptur kurz einkochen.
- Heiß in saubere Flaschen füllen.
- Verschließen und vollständig abkühlen lassen.
Die genaue Haltbarkeit hängt stark von Zuckerkonzentration, Verarbeitung, Hygiene und Lagerung ab.
Für länger gelagerte selbst gemachte Sirupe sollte man deshalb nicht einfach eine pauschale Haltbarkeit von mehreren Monaten annehmen.

Die große Übersicht: Welche Zubereitungsart für welchen Pflanzenteil?
| Pflanzenteil | Häufige Methode | Richtwert |
|---|---|---|
| Blätter | Aufguss | 5–10 Min. |
| Blüten | Aufguss | 5–10 Min. |
| Zarte Kräuter | Aufguss | 5–15 Min. |
| Samen | Aufguss oder Abkochung | je nach Pflanze |
| Früchte | Aufguss oder Abkochung | je nach Pflanze |
| Wurzeln | Abkochung | ca. 10–20 Min. |
| Rinde | Abkochung | ca. 10–20 Min. |
| Getrocknete Kräuter für Öl | Ölauszug | 2–6 Wochen |
| Kräuter für Tinktur | Alkohol-Auszug | 4–6 Wochen |
| Kräuter für Essig | Essigauszug | 1–3 Wochen |
Diese Tabelle ist als Orientierung gedacht. Bei konkreten Heilpflanzen sollte immer geprüft werden, welche Zubereitungsart tatsächlich vorgesehen ist.
Warum du Kräutertee nicht einfach mehrere Stunden stehen lassen solltest
„Je länger, desto stärker“ klingt zunächst logisch.
Bei Kräutertees ist diese Denkweise jedoch nicht sinnvoll.
Eine längere Ziehzeit verändert Geschmack, Konzentration und Zusammensetzung der Zubereitung. Außerdem spielt die Hygiene eine Rolle.
Das BfR weist darauf hin, dass Kräutertee nach dem Aufgießen nicht über mehrere Stunden stehen gelassen werden sollte. Trotz des Aufgießens mit kochendem Wasser können bestimmte Sporen überleben und sich bei längerer warmer Lagerung vermehren.
Deshalb gilt für den Alltag:
Tee frisch zubereiten, ziehen lassen, abseihen und zeitnah trinken.
Besonders bei Kindern, kranken Personen sowie während Schwangerschaft und Stillzeit sollte bei Kräutertees zusätzlich auf die Auswahl der Pflanzen und die jeweilige Empfehlung geachtet werden.
Das BfR empfiehlt Schwangeren und Stillenden außerdem, Kräutertee nicht als alleinige tägliche Flüssigkeitsquelle zu verwenden. Auch Kindern sollte nicht ausschließlich Kräutertee angeboten werden.
5 typische Fehler bei Kräuterzubereitungen
Fehler 1: Jede Pflanze gleich behandeln
Kamille, Rosmarin, Baldrianwurzel und Löwenzahnwurzel sind botanisch und hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe völlig unterschiedlich.
Ein einheitliches „10-Minuten-Rezept“ funktioniert daher nicht für alle Kräuter.
Fehler 2: Zu viel Pflanzenmaterial verwenden
Mehr Kraut bedeutet nicht automatisch eine bessere Zubereitung.
Bei Heilpflanzen kann eine höhere Konzentration auch unerwünschte Wirkungen verstärken.
Fehler 3: Frische Kräuter im Öl unterschätzen
Wasser im Pflanzenmaterial kann die Haltbarkeit beeinflussen.
Für einfache Ölauszüge sind vollständig getrocknete Kräuter deshalb oft die praktischere Wahl.
Fehler 4: Gefäße nicht sauber vorbereiten
Gläser und Flaschen sollten sauber und vollständig trocken sein.
Gerade bei selbst gemachten Ölen, Sirupen und Auszügen ist sauberes Arbeiten entscheidend.
Fehler 5: Keine Beschriftung
Ein selbst gemachter Kräuterauszug sollte immer beschriftet werden.
Auf das Etikett gehören mindestens:
- verwendete Pflanze
- Pflanzenteil
- Trägerflüssigkeit
- Ansatzdatum
- Abfülldatum
- gegebenenfalls Mischungsverhältnis
Das klingt banal, spart später aber viel Rätselraten.

So lagerst du selbst gemachte Kräuterzubereitungen richtig
Die Lagerung hängt von der jeweiligen Zubereitungsart ab.
Kräutertee
Am besten frisch zubereiten und zeitnah verwenden.
Kräuteröl
Dunkel, kühl und gut verschlossen lagern. Licht und Wärme können die Qualität des Öls beeinträchtigen.
Tinktur
Dunkel und gut verschlossen lagern. Alkoholhaltige Auszüge sind grundsätzlich länger haltbar als wässrige Zubereitungen, die konkrete Haltbarkeit hängt jedoch von Pflanze, Alkoholgehalt, Herstellung und Lagerung ab.
Kräuteressig
Gut verschlossen und lichtgeschützt aufbewahren.
Sirup
Sauber abfüllen und nach dem Öffnen entsprechend der Rezeptur lagern. Bei selbst gemachten Sirupen sollte man sich nicht allein auf ein pauschales Haltbarkeitsdatum verlassen.
Mein Spickzettel für die Küche
Wenn du dir nur eine kleine Übersicht merken möchtest, dann diese:
Blätter & Blüten → Aufguss → 5–15 Minuten
Wurzeln & harte Pflanzenteile → Abkochung → ca. 10–20 Minuten
Empfindliche Pflanzenbestandteile → je nach Pflanze Kaltauszug
Kräuter + Öl → Ölauszug → 2–6 Wochen
Kräuter + Alkohol → Tinktur → 4–6 Wochen
Kräuter + Essig → Kräuteressig → 1–3 Wochen
Dabei handelt es sich um allgemeine Richtwerte und keine universellen Vorgaben für jede Heilpflanze.
Wichtige Hinweise zur Verwendung von Heilkräutern
Heilpflanzen sind keine völlig wirkstofffreien Lebensmittel.
Viele Pflanzen enthalten biologisch aktive Stoffe. Diese können erwünschte Wirkungen haben, gleichzeitig sind Nebenwirkungen und Wechselwirkungen möglich.
Das National Center for Complementary and Integrative Health weist darauf hin, dass pflanzliche Produkte mit Medikamenten wechselwirken können. Besonders relevant ist das bei bestimmten Medikamenten mit engem therapeutischem Bereich.
Ein bekanntes Beispiel ist Johanniskraut, das mit verschiedenen Arzneimitteln interagieren kann.
Deshalb gilt:
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, schwanger ist, stillt, chronische Erkrankungen hat oder Kräuter gezielt zu therapeutischen Zwecken einsetzen möchte, sollte die konkrete Pflanze vorher mit Arzt, Ärztin oder Apotheke besprechen.
Auch bei Kindern gelten je nach Pflanze besondere Vorgaben. Die EMA weist darauf hin, dass die Verwendung bestimmter pflanzlicher Arzneimittel bei Kindern wegen fehlender ausreichender Daten nicht empfohlen werden kann.
Traditionelle Anwendung ist keine Heilversprechung
Wenn auf einem Kräuterblog steht, dass eine Pflanze traditionell für einen bestimmten Zweck verwendet wird, bedeutet das nicht automatisch, dass ihre Wirksamkeit für diesen Zweck wissenschaftlich nachgewiesen ist.
Die EMA unterscheidet bei pflanzlichen Arzneimitteln ausdrücklich zwischen „well-established use“ mit ausreichenden Daten und „traditional use“, bei dem die traditionelle Verwendung eine wichtige Grundlage bildet.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Du kannst Kräuterwissen bewahren und traditionelle Zubereitungen erklären, ohne daraus medizinische Versprechen abzuleiten.
Mein Tipp
Ein kleines Kräuter-Zubereitungsbuch führen
Wenn du regelmäßig mit Kräutern arbeitest, lohnt sich ein kleines Notizbuch.
Für jede Pflanze kannst du eine eigene Seite anlegen:
Pflanze:
Botanischer Name:
Verwendeter Pflanzenteil:
Erntezeit:
Trocknung:
Geeignete Zubereitungsart:
Menge:
Ziehzeit:
Besonderheiten:
Aufbewahrung:
Ansatzdatum:
Abfülldatum:
So entsteht mit der Zeit dein persönliches Kräuterhandbuch.
Gerade bei Ölauszügen und Tinkturen ist das praktisch. Nach einigen Monaten weißt du noch genau, wann du welchen Ansatz gemacht hast und wie du ihn hergestellt hast.

Kräuter richtig vorbereiten: Darauf kommt es an
Die Qualität der fertigen Zubereitung beginnt bereits vor dem Aufgießen.
Verwende nur Pflanzen, die du eindeutig bestimmen kannst. Beim Sammeln wild wachsender Kräuter sollte die Bestimmung wirklich sicher sein. Das BfR weist darauf hin, dass das Sammeln unbekannter Pflanzenbestandteile gesundheitliche Risiken bergen kann.
Außerdem sollten Kräuter möglichst sauber und passend zur jeweiligen Zubereitung verarbeitet werden.
Für Tee können getrocknete Blätter und Blüten grob zerkleinert werden.
Für Ölauszüge sollten Pflanzenteile möglichst trocken sein.
Für Abkochungen können harte Pflanzenteile wie Wurzeln oder Rinden entsprechend der jeweiligen Rezeptur zerkleinert werden.
Bei kommerziell erhältlichen Kräutern sollte die Zubereitung nach Möglichkeit den Angaben auf der Verpackung folgen.
Kann man Kräuter auch miteinander mischen?
Ja, Kräutermischungen gehören seit Jahrhunderten zur traditionellen Pflanzenkunde.
Für einen einfachen Alltagstee kannst du beispielsweise aromatische Kräuter miteinander kombinieren.
Eine einfache Mischung könnte aus folgenden Zutaten bestehen:
Zitronenverbene + Melisse + Pfefferminze
Die Mischung ergibt einen frischen, aromatischen Kräutertee.
Oder:
Kamille + Melisse
für einen milden Abendtee.
Auch hier gilt: Bei einer reinen Genussmischung kannst du dich stark am Geschmack orientieren. Sobald eine Mischung gezielt wegen ihrer pharmakologischen Wirkung eingesetzt werden soll, wird die Sache komplexer. Dann sollten die einzelnen Pflanzen, Mengen und möglichen Wechselwirkungen berücksichtigt werden.
Was bedeutet eigentlich „Ziehzeit“?
Die Ziehzeit beschreibt die Zeit, in der das Pflanzenmaterial mit dem jeweiligen Lösungsmittel in Kontakt bleibt.
Beim Tee ist das meist Wasser.
Beim Ölauszug ist es Öl.
Bei der Tinktur ist es eine alkoholische Flüssigkeit.
Beim Kräuteressig ist es Essig.
Dabei passiert vereinfacht gesagt eine Extraktion: Bestimmte Bestandteile der Pflanze gehen in die Flüssigkeit über.
Welche Stoffe dabei extrahiert werden, hängt unter anderem von Temperatur, Zeit, Lösungsmittel, Pflanzenteil und Zerkleinerungsgrad ab.
Genau deshalb ist die Frage „Wie lange sollen Kräuter ziehen?“ eigentlich nur die halbe Frage.
Die andere Hälfte lautet:
In welcher Flüssigkeit und mit welchem Pflanzenteil?
Fazit
Die richtige Ziehzeit hängt immer davon ab, was du aus dem Kraut herstellen möchtest.
Für einen klassischen Kräutertee reichen häufig 5–15 Minuten. Harte Pflanzenteile werden traditionell eher als Abkochung zubereitet. Ölauszüge benötigen deutlich länger und dürfen mehrere Wochen ziehen. Bei Tinkturen sind ebenfalls mehrere Wochen üblich.
Der wichtigste Grundsatz lautet: Nicht jedes Kraut nach demselben Schema behandeln.
Gerade bei Heilpflanzen sollte die konkrete Pflanze betrachtet werden. Mengen, Zubereitungsart und Anwendung können sich deutlich unterscheiden. Die europäischen Kräutermonografien der EMA sind dafür eine wichtige Referenz, wenn es um dokumentierte traditionelle oder wissenschaftlich bewertete pflanzliche Arzneimittel geht.
Für die eigene Kräuterküche darf es dagegen ruhig einfach bleiben: sauber arbeiten, sorgfältig beschriften, passende Pflanzenteile verwenden und die Ziehzeit zur jeweiligen Zubereitungsart wählen.
Und wenn du dir nur eine Sache merkst:
Blüten und Blätter mögen meist den Aufguss. Harte Pflanzenteile brauchen häufig mehr Zeit und Wärme. Öl und Alkohol brauchen Wochen statt Minuten.








